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Seriesly Berlin

Neue Formate – geteilte Aufmerksamkeit? Micro-Dramen und Longform-Serien

Maximal drei Minuten Spannungsbogen, hunderte Folgen Sog, von Cliffhanger zu Cliffhanger: Mikrodramen zeigen, wie radikal sich Erzählzeit verdichten lässt, wenn das Smartphone die Bühne ist. Doch die Diskussion um die vertikalen Serienformate hat in Deutschland gerade erst begonnen: Auf der re:publica 2026 hostete Seriesly Berlin die wahrscheinlich erste Paneldiskussion, die sich mit den Auswirkungen dieser neuen Erzählform für den deutschen Markt, das Publikum und die Zukunft des seriellen Storytellings auseinandersetzte.

Wer sich das Panel in voller Länge ansehen möchte: Die Videoaufzeichnung wartet am Ende dieses Artikels.

 

Im Rahmen des audiovisuellen Programmschwerpunkts ON SCREEN, inititert vom Medienboard Berlin Brandenburg, diskutierte Moderatorin Hadnet Tesfai gemeinsam mit dem Head of Creators bei Constantin Entertainment, Kai Fischer, UFA-Mitte-Produzentin Henriette Lippold und Mothership-Media-Consultancy-Gründerin Beatrice Rossmanith über vertikales Storytelling, creator-getriebene Entwicklung, KI-gestützte Produktionsabläufe, die Rolle der Plattform-Algorithmen – und die Frage, wie sich Short Form und Long Form künftig zueinander verhalten werden.

In ihrer Keynote ordnete Beatrice Rossmanith zunächst das Geschäftsmodell ein: Anders als bei SVoD-Abos wird bei Microdramen meist pro Episode bezahlt, die Hauptzielgruppe sind kaufkräftige Frauen über 35. Microdrama-Apps gehören bereits zu den umsatzstärksten Streaming-Plattformen in Deutschland, Tendenz steigend. Doch die Formate entwickeln sich nicht nur im App-Ökosystem: Auch im öffentlich-rechtlichen Umfeld wird bereits experimentiert. Ebenso entdecken Marken mittlerweile das Microdrama als neues Werbeformat. Interessanterweise ähnelten die Titel der Formate dabei oft emotionalen Suchmaschinenbegriffen – etwa bei deutschen Produktionen wie „Black Forest Royale“, „Survival Sisters“ oder „Mountain Medical“.

Interessante Einblicke in die Produktion gab Kai Fischer: Als Praxisbeispiel stellte er das Projekt „Aminho – The Challenge“ vor. Ein reichweitenstarker Creator kooperierte hier mit der deutschen Vertical Drama Agency reelistiq und der Schuhmarke Skechers und produzierte unter Einsatz von KI kostengünstig ein außerordentlich erfolgreiches Microdrama. Fischers zentraler Punkt: Bei Microdramen wirkt der Algorithmus nicht nur auf den Vertrieb, sondern direkt auf die kreative Gestaltung – Inhalte werden zunehmend nach dem Nutzer*innenverhalten statt in einer klassischen Zielgruppenausrichtung entwickelt, weshalb Creator mit ihrem Audience-Verständnis eine Schlüsselrolle einnehmen. Die Frage, die man sich stellen müsse: Was macht die Inhalte relevant für die Plattform, für die sie entwickelt werden? Ein Grund, warum sich das Format in Deutschland noch nicht so durchgesetzt hat wie in China oder den USA, sei das Fehlen eigener deutscher Plattformen.

Henriette Lippold beschrieb Microdramen für die UFA noch als Neuland, sieht darin aber eine spannende Chance, das klassische Storytelling anders zu denken. Ihre Hoffnung: Eine eigene europäische Erzählweise, bei der die Figuren trotz ihrer schnellen Etablierung eine vielfältige, nuancierte Charakterisierung bekommen. Sie plädierte für einen 360-Grad-Ansatz, bei dem etablierte Serien, wie die weltweit erfolgreiche UFA-Produktion „Maxton Hall“, durch Short-Form-Inhalte als Prequel oder Sequel weitererzählt werden – denn während Microdramen Aufmerksamkeit erzeugten, schaffe Long Form Bedeutung.